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Angststörungen und Schlafprobleme beeinflussen sich oft gegenseitig. Erfahren Sie, warum dieser Teufelskreis so schwer zu durchbrechen ist und welche Ansätze helfen können, wieder zu mehr Ruhe und erholsamen Nächten zu finden.
Veröffentlicht am 11. September 2025

Wenn Ängste dauerhaft überhandnehmen, belasten sie nicht nur den Alltag, sondern können auch den Schlaf erheblich stören. Dabei verstärken sich Angststörungen und Schlafprobleme oft gegenseitig: Wer schlecht schläft, fühlt sich am nächsten Tag angespannter und verletzlicher, während Ängste wiederum das Ein- und Durchschlafen erschweren können.
Zunächst ist es wichtig, zu unterscheiden, ob hinter dem schlechten Schlaf tatsächlich eine Angststörung steckt oder ob es sich primär um eine Schlafstörung handelt. Eine Schlafstörung, auch psychophysiologische Insomnie genannt, kann sich durch folgende Symptome äußern:
Eine Angststörung beschreibt hingegen einen Zustand anhaltender innerer Anspannung, der auch nachts bestehen bleiben kann, sich aber nicht nur auf den Schlaf bezieht. Dazu können gehören:
Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob die Angst vor dem Schlafen im Vordergrund steht oder ob der schlechte Schlaf die Folge einer zugrundeliegenden Angststörung ist. Bei einer Angststörung sind es meist die allgemeinen Sorgen und die innere Anspannung, die nachts nicht einfach aufhören und den Schlaf erheblich stören. In diesem Fall sind die Schlafprobleme ein Teil des Krankheitsbildes.
Das erklärt sich dadurch, dass Menschen mit einer Angststörung sich fast ständig in einem sogenannten Kampf-oder-Flucht-Modus befinden. Dem Körper wird signalisiert, dass Gefahr besteht und er leistungsfähig sein muss. Dabei werden Stresshormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet. Diese sorgen dafür, dass Herzschlag und Blutdruck steigen, die Muskeln angespannt bleiben und die Verdauung verlangsamt wird. Infolgedessen bleibt der Körper dauerhaft angespannt und findet auch nachts keine Ruhe. Schlafprobleme entwickeln sich, die Regeneration bleibt aus und durch die fehlende Erholung kann das Stresshormon Cortisol noch langsamer abgebaut werden.
Nicht nur eine Angststörung kann den Schlaf beeinträchtigen, auch andersherum hat der Schlaf großen Einfluss darauf, wie wir mit Ängsten umgehen. Guter Schlaf ist eine wichtige Grundlage für die körperliche und seelische Gesundheit. Einzelne unruhige oder kurze Nächte sind unproblematisch. Problematisch ist es erst, wenn Sie über längere Zeit zu wenig, unruhig oder sehr unregelmäßig schlafen. Dann leidet das Wohlbefinden spürbar und auch die Leistungsfähigkeit im Alltag nimmt ab.
Studien zeigen, dass Schlafstörungen stärkere Angstreaktionen hervorrufen können. Im Gehirn werden emotionale Bereiche durch zu wenig Schlaf übermäßig aktiv. Gleichzeitig fehlt die ausreichende Kontrolle über die Angstreaktionen. Besonders der Tiefschlaf hilft, Gefühle zu verarbeiten und Ängste zu regulieren. Bleibt er über längere Zeit aus, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Ängste stärker werden oder bestehen bleiben.
Manche Menschen mit einer Angststörung erleben zusätzlich Panikattacken während der Nacht. Diese können plötzlich aus dem Schlaf heraus auftreten und gehen mit heftigen körperlichen Symptomen einher. Typisch sind Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Versuchen Sie bei einer Panikattacke nachts folgendes:
Auch die 5-4-3-2-1-Übung kann in solch einer Situation hilfreich sein. Ziel dieser Übung ist es, die Aufmerksamkeit von den Ängsten wegzulenken und zurück ins Hier und Jetzt zu finden. Dazu nennen Sie sich zunächst fünf Dinge, die Sie sehen, anschließend fünf Dinge, die Sie hören, und danach fünf Dinge, die Sie spüren. Danach wiederholen Sie diese Schritte mit vier, drei, zwei und schließlich einem Ding.
Es ist wichtig, Strategien zu entwickeln, die beim Einschlafen und zur Ruhe kommen helfen. Wenn die Schlafprobleme jedoch auf einer Angststörung beruhen, reicht das allein nicht aus. Dann sollte auch die Ursache behandelt werden, zum Beispiel im Rahmen einer Psychotherapie. Dennoch gibt es einige Maßnahmen, die den Schlaf fördern und für mehr Erholung in der Nacht sorgen können.
Regelmäßige Bewegung kann die innere Anspannung abbauen und die Schlafqualität verbessern. Bereits ein Spaziergang von 30 Minuten oder eine kleine Runde Radfahren am Tag kann helfen. Intensiver Sport sollte allerdings eher am Nachmittag oder frühen Abend stattfinden, da er kurz vor dem Schlafengehen wieder wach machen kann.
Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, Atemübungen oder sanftes Yoga am Abend können helfen, den Körper herunterzufahren. Auch ein warmes Bad oder eine Tasse beruhigender Kräutertee können dabei unterstützen, zur Ruhe zu kommen und vom Alltagsstress abzuschalten.
Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Eiweiß unterstützt nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch die psychische Stabilität. Ein hoher Zuckerkonsum oder extreme Diäten können dagegen Ängste und Unruhe verstärken. Auch auf Substanzen wie Kaffee oder Energydrinks sollte spätestens am Nachmittag verzichtet werden. Alkohol wirkt zwar zunächst einschläfernd, stört aber die Schlafphasen und sorgt für unruhige Nächte.
Gleichmäßige Schlafenszeiten helfen, den inneren Takt des Körpers zu stabilisieren. Versuchen Sie, möglichst zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen, auch am Wochenende. Kleine Rituale vor dem Schlafengehen, wie ein kurzer Abendspaziergang oder das Lesen einiger Seiten in einem Buch, können dabei helfen.
Essen Sie abends besser leichte Mahlzeiten, denn ein voller Magen kann die innere Unruhe verstärken. Vermeiden Sie Uhr und Handy, da der Blick darauf schnell mehr Druck auslösen kann. Versuchen Sie stattdessen, loszulassen und mit kleinen Ritualen wie Musik hören, Atemübungen oder Meditation zur Ruhe zu finden.
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Bei Fragen oder Anliegen zur Behandlung von Angststörungen in der Habichtswald Privat-Klinik Kassel sind wir gerne für Sie da. Wir freuen uns darauf, Ihnen weiterzuhelfen und von Ihnen zu hören!
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